Fairtrade: Wenn Kaffee bitter schmeckt

Sep 11, 2015 von

Fairtrade: Wenn Kaffee bitter schmeckt

Fairtrade Kaffee stammt von Kaffeebauern in Entwicklungsländern, die hierfür einen Mindestpreis erhalten. Das sichere ihnen existenzsichernde Preise und bessere Arbeitsbedingungen, verspricht die Fairtrade Organisation. Daher müsse der Kaffee auch etwas teurer sein, weil der durchschnittliche Weltmarktpreis eben gerade nicht für faire Arbeitsbedingungen sorgt. So weit die Eigenwerbung von Fairtrade, die auf westliche Konsumenten verlockend wirkt. Wir geben einige Cent mehr für Fairtrade Kaffee aus und verbessern damit die Welt. Was ist dran?

Fairtrade Kaffee: Renner in Deutschland

Die Deutschen sind versessen auf Fairtrade Kaffee mit dem Siegel des Gutmenschentums, mehr als anderswo werden die Bohnen aus dem vermeintlich fairen Trade in Weltläden, aber auch bei Starbucks nachgefragt. Der Marktanteil wächst rasant, doch zunehmend warnen Wissenschaftler vor der Naivität der Verbraucher: Die Kaffeekooperativen, aus denen Fairtrade Kaffee stammt, haben nach der Einschätzung verschiedener Forscher relativ wenig und manchmal nichts vom System. Die Anreize würden falsch gesetzt, legen etwa Studien der Universitäten von London, Berkeley, San Diego und San Francisco nahe. Das Fairtrade Siegel, das in Deutschland inzwischen auf etwa 2.000 Produkten in über 42.000 Verkaufsstellen zu finden ist, soll in Wahrheit vielerorts in Afrika und Lateinamerika kaum oder gar nicht für höhere Einkaufspreise sorgen. Die Werbung für Fairtrade Kaffee, dessen Marktanteil in Deutschland bei rund zwei Prozent liegt, verspricht aber genau das: Die Kaffeekooperativen würden vor den Schwankungen geschützt, denen der Weltmarktpreis durch unterschiedliche Ernten, aber auch durch Rohstoff-Spekulanten ausgesetzt ist. Sie erhalten einen Mindestpreis als Sicherheitsnetz, besseren Marktzugang, soziale Vorsorge und sogar bezahlten Urlaub. Londoner Wissenschaftler haben sich das vor Ort in Äthiopien und Uganda angeschaut und festgestellt, dass Kaffeekooperativen, die nicht im Fairtrade System verankert sind, teilweise höhere Löhne zahlen und bessere Arbeitsbedingungen bieten. Es gibt von verschiedenen Wissenschaftlern aus aller Welt inzwischen mehrere, auch sehr langfristig angelegte Studien (teilweise über 13 Jahre), die zum selben Ergebnis kommen: Die wirtschaftlichen Vorteile des Fairtrade Systems werden durch dessen hohe Zertifizierungskosten größtenteils egalisiert.

Ineffizientes System?

© Dmitri Mikitenko - shutterstock.com

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Wer die Studien anschaut, kommt zur Einschätzung, dass Fairtrade Kaffee durchaus mit der ursprünglichen Intention – bessere Arbeitsbedingungen für Kaffeekooperativen in Entwicklungsländern – gehandelt wird, dass das System aber enorm ineffizient ist. Von den Mehreinnahmen erhalten die Kaffeebauern höchstens ein Drittel, der Rest geht für Verwaltungs- und Zertifizierungskosten der Fairtrade Organisation drauf. Das wird allerdings auch bei Hilfsorganisationen oft kritisiert, nur macht es Fairtrade seinen Kritikern leicht: Die Organisation legt höchstens ungenügende Belege für die Effizienz ihrer Arbeit vor. Was bleibt für die Verbraucher? Ein bitterer Beigeschmack bei Fairtrade Kaffee.

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