Kaffee Kultur

Seit es Kaffee gibt, also etwa seit dem 9. Jahrhundert, gibt es auch eine Kaffee Kultur. Jeder Kulturkreis auf dem Globus assoziiert damit allerdings etwas anderes, so die Europäer ihr Wiener Kaffeehaus, die Türken und Perser die winzige Kaffeestube, in welcher sie Mokka und Tee trinken, die Amerikaner – und damit auch die modernen Westeuropäer – den Coffee to Go. Besonders in den letzten zwanzig Jahren hat sich die Kaffee Kultur in Ländern wie Deutschland stark gewandelt.

Kaffee Kultur
Kaffee Haus

 

Die Kaffee Kultur rund um den Globus

Die Kaffee Kultur hat ihre Wurzeln in Vorderasien. Kaffee wurde im tiefen Afrika, auf dem Gebiet des heutigen Äthiopiens, vor mehr als tausend Jahren erstmals erwähnt, der europäische Missionar Naironus fand 1671 in Äthiopien Aufzeichnungen darüber vor. Die Bohnen stammten aus dem damaligen Königreich Kaffa, schon im 14. Jahrhundert waren sie auch nach Arabien exportiert worden, im Verlaufe des 17. Jahrhunderts schließlich gelangten sie über den Orient nach Europa.

Dort wurden sie zunächst nur heimlich konsumiert, teils geächtet und in manchen Staaten zeitweilig verboten (sie galten als Droge), schließlich aber in speziellen Kaffeehäusern serviert. Diese Kaffeehäuser wurden alsbald geschäftlicher, künstlerischer und philosophischer Mittelpunkt sehr vieler Kommunen, ihr Siegeszug – basierend auf Kaffee – war nicht mehr aufzuhalten.

Wo so viel Zuwendung herrscht, muss sich eine Kaffee Kultur entwickeln, zu der etwa im 19. Jahrhundert die typische Wiener Caféhausmusik hinzukam. Die unterschiedlichen Schreibweisen – das Kaffeehaus und die Caféhausmusik – mögen nicht verwundern, sie haben traditionelle Gründe. Caféhausmusik hat einen eigenen Stil, dezente Harmonien und Rhythmik, eingängige, aber unaufdringliche Melodien und eine große Verwandtschaft mit der Operette. Die bekanntesten Vertreter sind die Strauß-Familie, Franz Léhar, Vittorio Montti, Jaques Offenbach oder Charles Gounod, aber auch schon Franz Schubert schrieb Caféhausstücke, vieles von Beethoven war eigentlich so gemeint, Edward Griegs “Morgendämmerung” aus der Peer-Gynt-Suite wird so eingeordnet und so fort.

Die Liste ist endlos, einige unerhörte Hits entstanden (“Blaue Donau”, “Wiener Blut”), vieles gilt aber als seicht. Das wird der Caféhausmusik nicht unbedingt gerecht, denn sie wurde bewusst so komponiert, dass sie zur Kaffee Kultur passte: Musik für den Hintergrund, dennoch oft mit feinfühliger und humoristischer Raffinesse versehen. Dass man sie auch konzertant aufführen kann, beweist in unseren Tagen der Geiger André Rieu mit seinem sinfonisch besetzten Orchester.

Allerdings hat die europäische Kaffeekultur etwas Eigenständiges, denn international haben sich durchaus andere Sitten entwickelt: Amerikaner lieben den Coffee to Go für überall und immer, Spanier und Italiener trinken einen Espresso an der Theke im Stehen, Franzosen lassen sich nach der Mahlzeit ihren Café au lait servieren, der Kaffeeklatsch ist wohl eine deutsche Erfindung. In der Türkei und ganz Vorderasien haben die winzigen Kaffeestuben Tradition, in Asien hat man amerikanische, in Afrika persische Kaffeesitten übernommen. Japaner kaufen Automatenkaffee, für Nordeuropäer ist das Gebäck an der Kaffeetafel unverzichtbar, die Russen trinken draußen auf der Straße Kaffee als Statussymbol.

 

Die deutsche Kaffee Kultur

Die Kaffee Kultur in Deutschland ist durch den immerwährenden Genuss von Filterkaffee ebenso geprägt worden wie durch die Lust am Experimentieren in den letzten zwanzig Jahren. Die deutsche Historie in Bezug auf die Kaffee Kultur ist geprägt durch die Ersatzwährung Kaffee nach dem Zweiten Weltkrieg, Kaffee gilt uns Deutschen – wie auch Lebensmittel – als etwas Wertvolles, von dem man kein Krümchen verschwendet. Vielleicht ist das mit ein Hintergrund für den unerhört hohen Kaffeekonsum der Deutschen, der sich zunehmend mit der Experimentierfreude beim Rösten, Brühen, Mixen und Ausprobieren der teuersten Kaffeevollautomaten paart: Deutsche Kaffee Kultur ist fantasievoll.

 

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