Kaffeehäuser

Nov 20, 2014 von

Kaffeehäuser

Kaffeehäuser sind durch ihre großartige Kultur in Wien und Budapest berühmt geworden, es gab sie aber schon früher. Vermutlich ab dem 14. bis 15. Jahrhundert entstanden in Kairo und anderen Städten des Osmanischen Reiches Einrichtungen, die wir nach heutigem Verständnis als Kaffeehaus bezeichnen würden, denn Kaffee war hier das Hauptgetränk und diente als kommunikativer und auch kultureller Kitt. Als in Istanbul im Jahr 1554 das erste Café eröffnet wurde, hatte diese Institution Europa erreicht.

Europäische Kaffeehäuser

Unter den Arkaden von San Marco in Venedig eröffnete 1647 das erste mitteleuropäische Kaffeehaus, die venezianischen Kaufleute kannte diese Einrichtungen aus ihren Reisen in den Nahen Osten und hatten gelernt, sie zu schätzen. Nun ging es Schlag auf Schlag, Kaffeehäuser in Europa eröffneten 1650 in Oxford, in London 1652 (das „Virginia Coffee-House“), 1673 in Bremen, nochmals in Bremen 1697 (das “Schütting” am Markt), 1677 in Hamburg und 1685 in Wien. Die ersten Wiener Betreiber von Cafés waren Armenier und Griechen, während das Wiener Bürgertum die neue Art der Gastronomie begeistert annahm, zu der sich alsbald die einheimische, ganz typische Konditorei gesellte. Es gibt aus jener Zeit in Europa noch das Leipziger Kaffeehaus „Zum Arabischen Coffe Baum“ mit Etablierung im späten 17. Jahrhundert, das Regensburger „Café Prinzess“ (Gründung 1686) und das Pariser „Café Procope“. Künstler und Literaten trafen und treffen sich bis heute in Kaffeehäusern, deren besonderes Flair unter anderem dadurch entstand, dass Standesdünkel überwunden wurden. Im Café konnte der Adlige mit dem Bürgerlichen und später auch mit dem Künstler der Bohème parlieren, was zweifellos das Kultur- und Geistesleben nach dem Barock ganz wesentlich bereicherte.

Funktionen der Kaffeehäuser

In Kaffeehäusern wurden Geschäfte gemacht und sogar die ersten Postfächer – die englische Penny Post – eingerichtet. In London gab es weit vor der gleichnamigen Versicherung das Retro coffee terrace with tables and chairs,paris FranceKaffeehaus Lloyd’s, in dem sich Kaufleute darüber berieten, wie sie ihre Risiken durch Schiffsladungen minimieren konnten. Daraus entstand die Idee der Lloyd’s Versicherungsgesellschaft. Zwei wichtige Londoner Zeitungen – der Tatler und der Spectator – hatten ihre Redaktionen im Londoner „Button’s Coffee-house“. Auch andere Gazetten wurden zumindest hinsichtlich ihrer Idee in Kaffeehäusern geboren, denn hier trafen zuerst alle Berichte aus dem Wirtschaftsleben, der Politik und Gesellschaft ein. Eine wichtige Funktion nahm der Kaffee selbst als Getränk ein, denn bis in das 18. Jahrhundert hinein waren Bier und Wein Getränke, die fortwährend von morgens bis abends konsumiert wurden und die Menschen unter einen ständigen leichten Rausch setzten. Dieser wich durch die Kaffeehauskultur nun einer konzentrierten Nüchternheit, jedenfalls in den mittleren bis höheren Schichten. Nichtsdestotrotz galt Kaffee selbst als Droge, der Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) eine Schmähkantate widmete: “C-A-F-F-E-E, trink´ nicht so viel Kaffee!”. Darin verteufelte Bach das “Getränk des Muselmanen”. Auch auf andere Weise polarisierte das neue Getränk, die Röstung vor Ort (die nicht gut riecht) verursachte Ärger bei Anwohnern, Frauen beschwerten sich öffentlich, dass ihre Männer lieber im Kaffeehaus als daheim waren, während ihnen damals noch der Zutritt verwehrt blieb.

Das Caféhauskonzert

Cafékonzerte sind bis heute beliebt und haben einen ganz eigenen, mit der Operette eng verwandten Musikstil hervorgebracht, der sich aus der Besetzung mit mindestens einer Violine plus Klavier oder Gitarre und dann der Aufstockung mit Cello, einer zweiten Violine, einer Bratsche und gegebenenfalls Holzbläsern ergab. Diese Besetzung erzeugt ganz bestimmte Arrangements, die Komponisten wie die Strauß-Familie, Robert Stolz, Franz Lehar, Jacques Offenbach und viele andere zu teilweise großartigen Werken inspirierte. Diese Musik ist so gemacht und gedacht, dass sie im Café nebenher laufen kann und doch kleine Höhepunkte birgt, denen das Publikum im Kaffeehaus gelegentlich mit Applaus dankt. Auch dieser Stil ist schon älter und hatte einen politisch-historischen Hintergrund, denn mit dieser Musik differenzierte sich eine neue europäische Bourgeoisie heraus, die sich von barocken und klassischen Tänzen emanzipierte. Allerdings war Caféhausmusik in erster Linie ein Background für das Stimmgewirr im Café, sie beanspruchte ihren Beifall wirklich nur gelegentlich und rechnet sich heute für die Betreiber von Kaffeehäusern definitiv nicht mehr, während sie es auf die Konzertbühnen naturgemäß nicht schaffen konnte (bis auf wenige Ausnahmen wie der “Csárdás” von Monti). Dennoch gibt es noch Kaffeekonzerte: Kurhäuser lassen diese Musik durch kleine Kurorchester meist im Freien aufführen. Aus dieser Unterhaltung in Kaffeehäusern entstanden schließlich die burlesken Varieté-Lokale, die den Musikstil schließlich mit Gesang und Tanz – auch mit erotischen Bezügen wie im Cancan – verbanden.

Und das Wiener Caféhaus?

Ja richtig, in Europa verbindet man seit dem 19. Jahrhundert das Caféhaus mit der Stadt Wien. Hier entstand zu jener Zeit ein kultureller Schmelztiegel, der seine Kerne unter anderem in den Kaffeehäusern der Stadt hatte, wie sie heute noch beispielsweise durch das Café Hofburg repräsentiert werden. Das Café in der Hofburg in 1010 Wien befindet sich im Haus der Habsburger, die dort seit dem 13. Jahrhundert residieren und bis 1918 von der Wiener Hofburg aus ihre Macht ausübten. Hier lebten und regierten Karl VI. und seine Tochter Maria Theresia, ebenso Josef II. und nicht zuletzt Kaiser Franz Joseph I. nebst Gattin Sisi, der Romy Schneider ein unvergessliches Denkmal gesetzt hat. Vom Café Hofburg brauchen die Gäste nur über die Gasse zu gehen, um zum Sisi-Museum sowie den kaiserlichen Appartements zu gelangen. Die Terrasse dieses Wiener Kaffeehauses liegt im Innenhof des Kaiserpalastes. Heuer bietet das Kaffeehaus in der Hofburg die neueste Torten-Kollektion, zu der beispielsweise Sommerfrüchte-Kreationen aus der Landtmann’s Patisserie gehören. Gäste genießen das legendäre Waldbeerstanitzel aus der Konditorei, das luftig-lockere Heidelbeer-Törtchen, fruchtige Marillen Torten, einen saftigen Waldbeerfleck und die feine Ribiselschaumschnitte. Dazu genießen sie Wiener Kaffeespezialitäten wie den Mokka und den Verlängerten, die Melange und den kleinen oder großen Braunen. Natürlich gibt es auch deren italienische Verwandte, also einen Espresso, den Cappuccino und den Caffè Latte, ebenso Irish Coffee oder norddeutschen Pharisäer.

 

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