Kaffeehausliteratur

Apr 1, 2015 von

Kaffeehausliteratur

Zum Kaffeehaus gehört die Kaffeehausliteratur, die vor allem in Wien ihre Blüte im 19. Jahrhundert hatte. Für diese Kaffeehauskultur gibt es einige sehr prominente Orte wie das Café Griensteidl in Wien, das Café Hawelka, das Café Herrenhof und in Berlin-Kreuzberg beispielsweise das Café Jolesch sowie einige berühmte Literaten wie Franz Werfel, Peter Altenberg, Anton Kuh und Géza von Cziffra. Die beiden Prominenten Karl Kraus und Stefan Zweig schrieben ebenfalls wenigstens zeitweise Kaffeehausliteratur.

In welcher Epoche entstand die Kaffeehausliteratur?

Das Wiener Caféhaus entstand wie andere europäische Caféhäuser im 17. bis 18. Jahrhundert und etablierte sich im 19. Jahrhundert als kulturelle Institution. Die Kaffeehausliteratur ist mit

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dem Fin de siècle (“Ende des Jahrhunderts“) verbunden. Damals – um 1890 bis 1914 – spürte man in Europa, dass ein Zeitalter vorübergeht, die Künste wurden auf eine gewisse Weise nachdenklich bis dekadent. Letzteres konnotiert das Fin de siècle mit dem Begriff des “Endes”, denn Jahrhunderte gehen immer wieder zu Ende wie jüngst erst das 20. Jahrhundert, ohne dass wir das unbedingt als Niedergang empfinden. In der Regel stehen Hoffnung und Aufbruchsgedanken, die sich mit dem kommenden Jahrhundert verbinden, im Vordergrund. Zum Ende des 19. Jahrhunderts spürten aber zumindest viele Künstler den kommenden Schrecken des 20. Jahrhunderts im Voraus. Gegen dieses war das 19. Jahrhundert vergleichsweise sehr gemütlich gewesen. Als das Fin de siècle endete, begann der Erste Weltkrieg. Dass nun gerade in Wien die Kaffeehausliteratur erblühte, hat direkt etwas mit Zerfall Österreich-Ungarns zu tun. In diesem Umfeld entstand die “Wiener Moderne”, die neben der Kaffeehausliteratur weitere Künste – vorrangig die Caféhausmusik – mit einbezog. Die beiden Schreibweisen “Café”, “Caféhausmusik” und “Kaffeehausliteratur” lassen sich ebenfalls auf diese Tradition zurückführen und haben sich bis heute gehalten.

Kaffeehausliteratur und ihr besonderes Anliegen

Während die gleichnamige Musik heute als sanft, wenn nicht seicht gilt (zu Unrecht), setzte die Kaffeehausliteratur (Hier klicken für weitere Informationen) durchaus sozialkritisch an, denn in ihren Kaffeehäusern bezogen die Autoren sehr viel Stoff und Inspiration für Studien zur menschlichen Gesellschaft. Daraus machten sie Gelegenheitsliteratur und Feuilletons, beides gilt heute als Kaffeehausliteratur. Peter Altenberg nannte das als Vertreter der Kaffeehausliteratur „Extrakte des Lebens“. Dass diese Kunstform überhaupt entstehen konnte, hat auch etwas mit Lebens- und Verbrauchergewohnheiten zu tun, die heute schier undenkbar sind. Wer in ein Café ging, musste dort nicht zwingend viel verkonsumieren, die Literaturen konnten sich bei einem Kaffee stundenlang dort aufhalten und machten das täglich. Maler gingen ebenso vor und fertigten an diesem Ort Skizzen an. Musiker spielten für die Gäste, was heute furchtbar schick und romantisch wirkt, sich aber einfach gegenwärtig für niemanden mehr rechnen würde – doch damals gab es noch keine brauchbaren Tonkonserven. Das Wiener Café Griensteidl, das es immer noch gibt, war Vorreiter, dort gründete Hermann Bahr die Künstlergruppe Jung-Wien. Zwischenzeitlich (1897) schloss das Griensteidl, das Café Central übernahm fortan dessen Rolle. In diesem Umfeld entstand Kaffeehausliteratur, die heute einige bemerkenswerte Einblicke in das Fin de siècle liefert.

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