Wie viel Kaffee am Tag ist noch gesund?

Feb 15, 2014 von

Wie viel Kaffee am Tag ist noch gesund?

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war sich der schwedische König Gustav III. einer Anekdote zufolge seiner Sache sicher: Kaffee ist giftig! In einem Experiment ließ er zwei Häftlinge den Beweis antreten. Täglich musste der eine der beiden Inhaftierten Tee und der andere Kaffee trinken. Im Verlaufe der Jahre verstarben zunächst die beiden Versuchsleiter und schließlich auch der Monarch, der einem Attentat zum Opfer fiel. Dennoch wurden den im Kerker sitzenden Verbrechern weiterhin ihre Getränke “verabreicht”.

Kurz vor seinem Ableben im Alter von 83 Jahren sagte schließlich der Teetrinker zum Kaffeekonsumenten: “Vorbei ist es bald mit Abwarten und dem Trinken meines geliebten Tees, den ich im Jenseits sehr vermissen werde.” Daraufhin antwortete der Mitinhaftierte: “Das tut mir leid. Aber im Unterschied zu dir, kann ich meinen Löffel noch nicht abgeben. Den benötige ich weiter zum Umrühren meines köstlichen Kaffees, denn dieser hält mich jung.” – Nicht überliefert ist, um wie viele Jahre der Kaffeetrinker den Zellengenossen überlebt hat.

 

Kaffee im Imagewandel

“C-a-f-f-e-e, trink nicht so viel Kaffee! Nicht für Kinder ist der Türkentrank, schwächt die Nerven, macht dich blass und krank”, lautet ein bekanntes Kinderlied, das der Lehrer und Musiker Carl Gottlieb Hering (1766-1853) komponierte. In diesen Kanon stimmte lange Zeit die Wissenschaft mit ein, die vor allen möglichen Gesundheitsgefährdungen durch den Genuss der braunen Bohnen warnte.

Heute beziehen die meisten Forscher einen anderen Standpunkt. Zum einen weisen sie darauf hin, dass früheren Untersuchungen über einen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und negativen Folgen für die Gesundheit ein ganzheitlicher Betrachtungsansatz fehlte. So seien bei diesen wichtige Faktoren wie beispielsweise Rauchen, Übergewicht oder Bluthochdruck nicht berücksichtigt worden. Zum anderen konnten sie in zahlreichen Studien nachweisen, dass der ehedem verteufelte Muntermacher unter bestimmten Voraussetzungen sogar einen positiven Einfluss auf den Organismus hat.

So gilt es schon seit mehreren Jahren als eine Mär, dass Kaffee dem Körper Wasser entziehe. Da das Getränk zum größten Teil aus Wasser besteht, kann es – so die Meinung vieler Ernährungswissenschaftler – mit zur Flüssigkeitsbilanz gezählt werden. Auch der einstigen Warnung vor Belastungen des Herz-Kreislaufsystems oder eines gesteigerten Krebsrisikos durch den Kaffeegenuss widersprechen inzwischen diverse Untersuchungen, die in zahlreichen Fällen bei einem maßvollen Konsum das genaue Gegenteil festgestellt haben.

Generell lässt sich sagen, dass eindeutige Forschungsergebnisse zur Frage nach den Gesundheitsfolgen des Kaffees bislang nicht vorliegen, dass aber die Tendenz in ein Aufräumen mit vielen negativen Vorurteilen geht. Heutige Studien legen den Schluss nahe, dass es sich beim Kaffeekonsum so verhält wie bei vielen anderen empfohlenen Verhaltensweisen: In Maßen okay und möglicherweise gesundheitsfördernd, in Massen schlecht und “macht dich blass und krank”. Darüber hinaus spielt zum einen die Qualität des konsumierten Produkts eine Rolle und zum anderen die individuelle Konstitution. So sind beispielsweise für Menschen mit einem empfindlichen Magen die dunklen Espressobohnen bekömmlicher als die kurz gerösteten, da diese weniger die Magenschleimhaut reizende Säure- und Bitterstoffe enthalten.

Zum guten Schluss: Laut einer Langzeiterhebung kam die Gesundheitsbehörde der USA zu dem Ergebnis, dass möglicherweise der Kaffeekonsum im Rahmen einer ausgeglichenen Ernährungsweise einen leicht lebensverlängernden Effekt bewirkt. Ob dieser neueren Erkenntnisse dürfte sich der experimentierfreudige schwedische König Gustav III. im Grabe umdrehen.

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2 Kommentare

  1. Larissa12

    Wow das hätte ich ja jetzt mal gar nicht gedacht! Meine Eltern meinten immer Kaffee ist überhaupt nicht gesund! Naja das kann dann ja wohl doch anders sein :)

  2. Christian

    Mal sehen was weitere Forschungen ergeben :)

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